Rückblick:
Hanseboot 2009, die fünzigste
Die
Messe:
Nicht zu übersehen: Die
Besucherzahlen auf der Hanseboot 2009 sind niedriger als in den "goldenen" 90er-Jahren.
Doch:
Die meisten Aussteller zeigten sich am letzten Sonntagabend zufrieden über die Messe
und allerorten wurde die Qualität der Besucher in Bezug auf ihre Sachkunde
gelobt. Also Steigerung gegenüber letztem Jahr, was der Jubiläumsausgabe
dieser schon traditionsreichen ältesten Bootsmesse Deutschlands sichtlich gut
tat!
Erwartungsgemäß wurden
bei den Hochseeyachten wenig Neues gesichtet, hier mal ein anderes Deckslayout, da mal eine
andere Einrichtung; ja und? Was soll es bei einer Segelyacht schon Neues geben?
Freilich, bei Rennmaschinen, schön und rasant anzusehen, ist es ganz anders.
Irgendwie ist die Auseinandersetzung mit dem Wind bei gleichzeitigem höchstem
Urlaubswert ausgereizt. Und bei vielen Besuchern spürt man, dass sie kommen, um
ihr Boot mit dem ausgestellten Nachfolgemodell des gleichen Herstellers zu
vergleichen. Und, ganz klar, zufrieden vermerkt der Messebesucher, dass das
eigene Schiff doch das viel Bessere ist. Über großartige Abschlüsse ist hier
nichts bekannt, die Formulierung der Aussteller "wir haben zahlreiche
Nachfragen" deutet jedoch auf begründete Hoffnungen hin.
Am
Yachtstand gab es Vorträge zum Thema Törnberatung und wer wollte, konnte sich
auch kostenlos individuell zu einem bestimmten Revier beraten lassen.
YACHT-Mitarbeiter, darunter Mareike Guhr, eine ausgewiesene Expertin auf diesem
Gebiet, waren täglich stundenlang beschäftigt, interessierten Bechern die Reize,
aber auch die nautischen Besonderheiten den Besuchern nahezubringen.
Eine ganze Reihe von Besuchern
des YACHT-Standes erkundigten sich nach den Möglichkeiten, die Welt auf eigenem
Kiel zu umrunden. Wobei die lange Vorbereitungszeit, in mehreren Fällen 10
Jahre, schon auf besondere Umsicht hinwies.
Die
Halle mit dem Bootszubehör lebte. Eine Bestätigung für das neue
Belegungskonzept der Messeleitung. Einen Besuch wert waren die Freilufthäfen
(bei freiem Eintritt!). Das ist ja der Trumpf der Hanseboot, dass man bei
mancher Yacht, die auf die Hochsee gehört, das Gefühl hat, dass man nur
einzusteigen braucht und schon ist die Weltumsegelung angetreten.
Im Sandtorhafen konnte man die
"großen" Yachten besichtigen, die schwerlich in die Halle gepasst
hätten. Mehrere Katamarane führten die Reihe am Steg an. Den schönen
Katamaran Privilege 495 hätten wir gerne besichtigt, doch ein unfreundliches
Hinweisschild auf das Handytelefon des Verkäufers vermieste die
Besuchsbemühungen. Und das gleich an zwei Tagen. Da fragt man sich schon, ob da
ein echtes Verkaufsinteresse besteht? Wobei die Kosten für die Präsentation
eines französischen Schiffes in einem Stadthafen von Hamburg ja nicht
unbedeutend sind.
Das Seminar:
Bobby
Schenk's Blauwasserseminar war, nun schon zum sechsten Mal, lange vor der Messe
ausgebucht. Was ganz beachtlich ist, denn beim ersten Versuch im Jahre 2004 war
es eigentlich als einmalige Veranstaltung gedacht. Das große Interesse ist
sicher auf das für zukünftige Weltum- und Blauwasser-Segler wohl einmalige
Angebot zurückzuführen: Acht Fachleute, alle Weltumsegler (also solche, die
bereits eine Weltumsegelung hinter sich haben, und nicht jene, die davon reden,
dass sie einmal...) hielten Referate zu ihrer großen Reise, sowohl in technischer
Hinsicht, als auch zum Erlebniswert. Kerstin und Hans hatten die Welt in einem
Katamaran umrundet, Annette und Sven hatten das Kunststück vollbracht, eine
Weltumrundung mit 600 Mark pro Monat zu bestreiten und Manfred (Bild) hat
seiner Weltumsegelung damit die Krone aufgesetzt, indem er sein Schiff von
Westindien durch die brüllenden Vierziger so mal eben nach Australien zum neuen
Eigentümer überführte. Wofür er die höchste deutsche Segelauszeichnung, den
Trans-Ocean-Preis kassierte.
Wie kein anderer mit der Materie vertraut, wies
Diplom-Metereologe Dr.Meeno Schrader (Wetterrouter für die kleine und doch so
große Ellen McArthur) die Seminarteilnehmer in die Kunst ein, Hurricanes und
andere mörderischer Wettergeschehen auf Langfahrt zu vermeiden. Der eine oder
andere Seminarist wurde sich hier erst so richtig bewusst, auf welches Risiko er
sein Leben ausrichten möchte. Ärztin (und selbstverständlich ebenfalls
Weltumseglerin) Kerstin schließlich machte mit den speziellen gesundheitlichen
Gefahren beim Langfahrtsegeln vertraut und stellte, übertragen gesprochen,
Rezepte zur Vermeidung aus.
Und
das Alles über zwei Tage für eine konkurrenzlos niedrige Teilnahmegebühr von
100 Euro - bitte weltweit vergleichen! Damit nicht genug: In der Gebühr war ein
Ticket zur Messe und eine neue YACHT oder YACHT CLASSIC eingeschlossen. Selbst
für die Verpflegung der zukünftigen Weltumsegler wurde während der Messe
gesorgt, ebenfalls im Preis eingeschlossen. Den Veranstaltern Hanseboot und
YACHT sei es gedankt.
Was den Referenten aufgefallen
ist: Unter den Teilnehmern waren auffallend viele "Skipperinnen" (die
als Begleitung nur 70 Euro zu zahlen hatten). Und der Altersdurschnitt war bei
gehobener Sachkunde niedriger als je zuvor.
Das macht Mut für das nächste
Jahr, wo es nach dem Willen der Messeleitung wiederum am ersten Wochenende der
Hanseboot erneut veranstaltet wird.
Das Rennen:
Wiederum: Es gibt noch was
anderes als Segeln! Es ist schon Tradition: Wie jede Bootsmesse trafen sich nach
getaner Arbeit in den Messehallen Standbesatzungen, Aussteller oder sonstige
Messemitarbeiter einmal auf dem Rennkurs der Hamburger Kartbahn Einsath. Wer der
Meinung ist, das sei ja kein Sport, möge es mal versuchen, eine halbe Stunde in
den niedrigen Autos mit 50 bis 70 kmh um den Kurs zu jagen, 180-Grad-Kurven
schnell zu meistern ohne an der Bande seine Rippen zu malträtieren. Unter den
Teilnehmern gab es wohl keinen, der ohne Schweiß auf der Stirn und unter dem
Rennoverall oder Pulli dem Kart erschöpft entstiegen war und nicht ein paar
Tage lang danach seine Hals-und Brustwirbel schmerzhaft gespürt hatte.
Immerhin, Verletzte wie vor ein paar Jahren auf der Bahn von Michael Schumacher
in Kerpen gab es dieses Mal nicht.
Im
Qualifikationstraining zum Delius-Klassing-Messe-Cup dann schon eine große
Überraschung: Der bisherige dreifache Pokalsieger Schenk erreichte mit
mäßigen 46er Zeiten nur den vierten Platz, was ihn fürs Rennen Schlimmes
befürchten ließ. Auf Pole fuhr Jochen Kunzemann, was den früheren
Pokal-Serien-Sieger auf ein Comeback hoffen ließ. Aber im Rennen über 20
Minuten ("nur" würde der Ignorant sagen) kam es dann ganz anders. Der
in letzter Zeit im Kartsport überheblich wirkende Schenk wurde zur
Schadenfreude einiger in Grund und Boden gefahren und kam nie in die Nähe eines
Podiumplatzes. Bis zur Mitte führte Kunzemann souverän das Feld von 11
Startern an, wurde jedoch von Georg Christ (Delius Klasing) zur Mitte des
Rennens ausgebremst, welcher ab da zu einem souveränen Sieg fuhr und so den
riesigen Pokal in Empfang nehmen konnte. Lars Neuwöhner kam als Dritter noch
aufs Stockerl. Die ersten Drei fuhren übrigens im 45-Sekundenbereich, während
Schenk mit dem Riesenabstand von einer ganzen Sekunde regelrecht deklassiert
wurde. Letzterer machte keinen Hehl daraus, dass er zur BOOT auf Rache
sinnt.
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