"Lieber Bobby,
wir haben im Rahmen des ECKER 1000 Meilen Races einiges erlebt, und ein
besonderes Erlebnis wollen wir Dir nicht vorenthalten: Zweieinhalb Stunden nach dem Start
hatten wir Kontakt mit ganz Oben" oder "Hurra wir leben noch"
Der Start war tadellos und wir waren von der Höhe, die die Tankercomerz vor uns
laufen konnte beeindruckt. Zwei Drittel vom Feld waren bald nicht mehr zu sehen,
nur die gewaltige Gewitterfront im Norden machte uns ein wenig sorgen. Wir
wollten soweit wie möglich nach Süden und mussten dabei immer mehr einreffen.
Die ersten Blitze mit immer kürzeren Abständen und gewaltiger Donner forderten
uns allen Respekt ab. Willi am Ruder, Gerhard neben ihm, Heli und Wolfgang an den
Schoten und ich zum Reffen am Mast. Wir waren gut besegelt und gerüstet für
die Nacht. Dachten wir. Nach dem Einreffen wollte ich unsere Position eintragen.
Da war es dann soweit:
Ein unglaublicher Knall, hinter der Panele und am ganzen Navigationsplatz ein
greller Blitz und schlagartig alles finster. Totale Stille an Bord. Dann der
erste Schrei aus dem Cockpit: "Bei uns hat der Blitz
eingeschlagen!!" ist wer verletzt? Nein. Was funktioniert noch? Was nicht?
Irgendwelche Metallteile fliegen vom Masttop über uns nach hinten ins Wasser.
Maschine an? - funktioniert. Segel rein! Position? Woher nehmen? Kein GPS, keine
Instrumente. Die letzte Eintragung 40 Minuten alt. Kurs Süd. Langsam kriegen wir die
Situation wieder in den Griff. Kontakt aufnehmen mit der Regattaleitung! Funk
tot. Handfunkgerät funktioniert nicht. Mobilnetz nicht verfügbar. Dann doch
Netzempfang. Wir erreichen die Regattaleitung und geben unseren ersten Bericht
ab. Kurs Pylos. Eine Yacht kommt auf uns zu. Leider wissen wir nicht mehr den
Bootsnamen der Yacht, die uns da so unterstützt hat, jedenfalls war es die
Startnummer 91 (Anmerkung: Die 91 war die VIENNA BOATSHOW mit Skipperin
Stephanie Breitenstein). Danke nochmals. Wir bekommen eine Position rübergeschriehen.
Super! Wir wissen, wo wir sind, der Steuerkompass wird hoffentlich richtig
anzeigen. Wir legen Kurs Pylos an. Dann Bestandsaufnahme: Willi und Gerhard
haben leichtes Kribbeln in den Händen, sonst scheint alles klar bei der Crew.
Instrumente im Cockpit alle funktionslos. Ebenso GPS, Radar, Funk, Navtex, alle
Navigationslichter tot. Das Rigg wollen wir lieber nicht belasten. Oben im Top
und unten am Mastfuß haben wir es Blitzen und Rauchen wie beim Schweissen
gesehen. Am Heck ist die Abdeckung der Badeleiter aufgeknallt, die Scheuerleiste
ist komplett vom GFK abgehoben. Später in Pylos stellen wir fest, dass das
Ventil der Gasflasche komplett zerstört ist. Der Blitz ist also wahrscheinlich
unter dem Arsch des Rudergängers wieder ausgefahren. Heli findet in seinen
Sachen das Hand-GPS, das nach einigen Versuchen eine glaubwürdige Position
liefert. Eine Stunde nach dem "Impact" haben wir die Situation wieder
ganz unter Kontrolle. Bei strömendem Regen stampfen wir nach Pylos und gehen im
Stadthafen längsseit hinter der Lady Liberty. Die
Eckercrew mit Milan und Fabio
kommt wenig später und arbeitet noch stundenlang an und unter Deck. Die
Defektliste ist endlos und manches wird erst in Samos wieder in Betrieb gehen.
Der Eckercup hat wirklich für jeden was dabei. Die einen segeln dem Teufel mit
Prosut und Loza ein Ohr ab, die anderen kämpfen mit gerissenen Segeln,
Seekrankheit und Schlafproblemen , die anderen werden vom Blitz getroffen. Ich
bin jetzt das vierte Mal dabei und habe es noch immer nicht bereut. Mit meinem
alten Skipperkumpel Willi, mit Gerhard, Heli und Wolfgang bin ich jetzt auf dem
Weg nach Samos.
Liebe Grüße vom Schiff der "Erleuchteten"
Peter Ettl