"Dies ist absolut der letzte Cup!" Kurt
Ecker, Charterunternehmer aus dem kleinen Ried in Österreich, desto trotz wohl
das größte deutschsprachige Unternehmen seiner Art, wird nicht müde, seine
Umgebung zu beschwören. Das sind dann die Momente, wo die Ecker-Crew (und seine
Familie - siehe Foto) an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gerät. Das war
gelegentlich in den letzten Tagen der Fall. Schließlich ist es keine
Kleinigkeit, eine Regatta über zwei Wochen lang für knapp an die hundert
Hochseeyachten, zu organisieren. Und wer hier abwertend von "wieder mal so eine
Firmenregatta" spricht, dem fehlt etwas der Überblick." Denn "der Kurt", der
schießt beim Startschuss nicht einfach so mal 600 Segler auf die
Strecke,
sondern betreut sie mit mehreren
Begleitschiffen und einer halben Hundertschaft an Servicepersonal, die
eigentlich dringend am Hauptsitz der Firma benötigt würden, quer durchs
Mittelmeer. Da sind Mechaniker, Hostessen, Segelmacher am Werk - alles kostenlos
für die Raceteilnehmer - , nur für einen Zweck, nämlich jedem teilnehmenden
Fahrtensegler eine erfolgreiche Teilnahme über die ganze Strecke zu ermöglichen.
Und wie die Siegerehrung im fernen Alexandrien, Malta, Tunesien, in Israel,
Marmaris, oder jetzt in Samos beschallt werden soll, ja das ist auch eines der
vielen Problemchen, die gelöst werden müssen - von der Logistikfrage, wie
anschließend hundert Yachten nach Hause geschafft werden müssen, mal ganz
abgesehen.
Warum aber hat er sich das alles angetan, der Kurt? Okay, der Name Ecker-Cup (der
übrigens offiziell "1000-Meilen-Race" heißt), und damit seine Firma haben sich
ins Bewusstsein der Fahrtensegler im Mittelmeerraum katapultiert. Aber sonst?
Wie gesagt, nach Kurt ist es der absolut letzte Cup.
Zwei
Vorschriften garantieren eine Fahrtensegel-Regatta
17 Jahre also hat der Kurt gesagt,
es sei der letzte Cup (dieses Mal klingt es allerdings sehr ernst). Und der
Charakter der Regatta ist gleich geblieben. Eine Veranstaltung - streng für
Fahrtensegler! Zwei Vorschriften haben dafür gesorgt: Spi ist verboten, und
Maschine ist erlaubt, allerdings mit entsprechendem Handycap, das heißt, jeder
kann so viel motoren wie er will, doch jede Motorstunde kostet die dreifache
Zeit. Dies hat die sogenannten "ernsthaften Regattasegler" erfolgreich vom Cup
ferngehalten. Was durchaus im Sinne des Veranstalters und nahezu aller
Teilnehmer ist. Ziel erreicht: Der Ecker-Cup ist zu einer Veranstaltung für
Fahrtensegler mit Sportsgeist geworden. Jeder kann mitmachen. Was ich
schmerzhaft spüren konnte, als mich mein Zahnarzt beim Bohren fragte, ob er denn
auch mal beim Ecker-Cup mitsegeln könne. Meine Antwort: Ein gurgelndes "Ja"!
Und obwohl die "großen" Segler durch Abwesenheit glänzen, geht es manchmal zu
wie beim America's Cup. Sponsoring ist ein großes Thema. Die eine Yacht hat den
Banner einer Brauerei am Achterstag (Uiii, die Flaggenetikette!), und verrät
verschmitzt, dass da schon so 100 Liter Bier rübergekommen sind, die andere
Yacht hat den Großbaum vollgepflastert mit Logos vom heimischen
Installationsgeschäft, Tagesblatt, bis zur Sparkasse, die die Crewmitglieder
auch auf dem Leiberl (veralterter österreichischer Begriff für das deutsche Wort
T-Shirt) tragen. Seid mir nicht bös, aber die gesponserte Salami vom Metzger am
Marktplatz in Ried im Innkreis imponiert mir mehr als die 50 Millionen von
Porsche oder Mercedes (die ich übrigens mitfinanziert hab) für deutsche
America´s Cup-Spielereien!
Bei
der pompösen Startfeier (Festmenü für 44 Euro in der Startgebühr inbegriffen)
lassen sich schon mal ein paar Crews nach ihrer Taktik ausfragen: Einhelliger
Tenor: Trotz der angesagten Flaute ist mit Motorstunden zu geizen! "Paganini"
von der Tankerkomerc aus Kroatien und einziger Teilnehmer an allen Ecker-Cups
kann seine Nervosität kaum noch verbergen. Aus seinem Umfeld wird mir
zugeflüstert, dass sie ihn endlich loshaben wollen, weil er jedermann seit
vielen Tagen auf die Nerven geht mit seinen endlosen Diskussionen über die
richtige Taktik: "Seit eineinhalb Jahren zähle ich die Tage bis zum Start"
Vorjahressieger Hubert Mayer ("der schönste Moment
in meinem Leben war das Erklingen der Nationalhymne bei der Siegesfeier")
verrät, dass er nach langem Suchen eine etwas langsamere Dofour 455 (wegen der
geringeren Segelfläche) bei einer Charterfirma in Mödling gefunden hat, die er
aber wegen der Yardstickzahl nach vorne segeln möchte. "Wenn nach der ersten
Nacht der tote Punkt kommt, dann musst wachsam sein, da wird das Rennen
entschieden!"
Wolfgang von der CARLANA, einer schmucken (und wahrscheinlich chancenlosen)
Hallberg Rassy 48 hat mit modernen Segeln aufgerüstet und sich lauter
Segellehrer als Crew geholt. Stolz zeigt er mir sein Iridiumhandy, mit dem er
auch dann die Infos von seinem befreundeten Wetterrouter zu Hause am PC bekommt,
wenn die GSM-Handys nicht mehr durchkommen.
Ja,
und dann gibt es noch ein paar reine Selbstsponsoren, wie die Stammtischgruppe
aus Deutschland, die einen Sparverein vor drei Jahren gegründet hatte, um die
Teilnahme am Ecker-Cup zu finanzieren. Nachdem der Cup um drei Jahre verschoben
werden musste, unter anderem, weil das ursprüngliche Ziel Libanon im politischen
Chaos versunken war, war die eigentlich knapp kalkulierte Cup-Kasse
übergequollen.
Beim Start mit den Offiziellen von Zadar zur
ersten von zwei Etappen waren sie alle da. Auch der Wind mit zaghaften 15
Knoten. Glück für die MOTIVA 45S des deutschen Dr.Martin Schwerdtfeger, die man
wahrlich nicht als Flautenläuferin einschätzen konnte. Aber nach ein paar
Stunden traf die Wetterprognose voll ein: "Flaute von vorne" und den ersten
kamen Zweifel, ob die Parole vom Maschinensparen hier zutreffend war.
Auf
dem Begleitschiff ADORNATE hatte die Begleitmannschaft unter Kurt Ecker
direkt ein schlechtes Gewissen, als den 25 Personen
das Abendmenü beim Sonnenuntergang aufgetischt wurde, während sicherlich
die meisten Mannschaften Meter für Meter die wenigen Windstriche abzusegeln
versuchten. Für solches Wetter war von der Wettfahrtleitung eine Deadline, also
eine "Todeslinie"
im Zielhafen Katakolon vorgesehen, um mindestens
sicherzustelln, dass die 2.Etappe dort pünktlich
wieder gestartet werden konnte. Aber, um auch den besonders unter widrigen
Windverhältnissen leidenden Yachten noch die weitere Teilnahme zu ermöglichen,
sollten auch die in der Wertung bleiben, die die Deadline nicht schaffen würden
- allerdings mit einer Strafe von einer Stunde auf die schlechteste Yacht noch
innerhalb der Deadline gewerteten Yacht. Diese zugunsten der schwächeren Yachten
geschaffene Bestimmung sollte noch für Unruhe sorgen - siehe unten.
Wer ist wo?
Ansonsten konnte man auf der ADORNATE den Verlauf
des Rennens fast life verfolgen. Da hatten ein paar Informatiker von der Uni
Erlangen ein über 17 Jahre fast unlösbares Problem gelöst, das immer wieder für
zahlreiche Diskussionen bei den
Vorbereitungen für den Cup gesorgt hatten:
Nämlich
die Positionsbestimmung der einzelnen Teilnehmeryachten für die "Außenwelt" -
und für die anderen Teilnehmer. Von täglichen Roll-Calls bis Einsatz von
Kurzwellen-Seefunk war über die Jahre alles im Spiel - mit äußerst mäßigem
Erfolg. Wie man es auch anstellt, das Regattafeld wird sich immer so
auseinanderziehen, dass zahlreiche Yachten für das "Mutterschiff" nicht mehr
erreichbar waren. UKW-Funk auf Schiffen ist halt ziemlich
rudimentär. Und der Einsatz von Satelliten verbat
sich aus finanziellen und letztlich auch aus
Softwaregründen.
Und plötzlich war alles so
leicht gewesen. Die Hochschulsegelgruppe
Erlangen unter Dr. Werner Frie von der Yacht SYNTYCHE legte die perfekte Lösung
vor und zwar uneigennützig, effektiv und ohne zusätzlichen Hardware-Aufwand. Die
Lösung: Die vorhandenen Funkgeräte effektiv einzusetzen. Nein, nicht den
veralterten Seefunk, sondern ganz moderne Funkgeräte, die - nebenbei gesagt -
nur ein paar Euro kosten, weltweit senden können und - welch Wunder - ohne jeden
vom Verkehrsministerium oder gar vom
Deutschen
Segelverband ausgegebenen Scheinen benutzt werden dürfen: Handys.
Wie funktioniert es? Jede Crew sendet ein paar Mal
am Tag ein SMS mit der Position nach Ried, dort werden die Daten auf einer Karte
ins Internet gestellt und schon kann jeder auf der ganzen Welt im Internet die
Karte ansehen. Jeder, auch die ADORNATE, auf der Herbert Förstl (Bild) die
Positionsdaten dann auf den Bildschirm projiziert und die Crews, natürlich nur
solange GSM-Verbindung zur Küste von Kroatien, Albanien und Griechenland.
Zugegeben mit einer Unterbrechung der Sendeverbindung von ein paar Stunden.
Genial!
Die letzten werden die ersten sein!
So stehts in der Bibel. Aber in keiner
Segelanweisung!. Darüber wird noch ein Wort zu verlieren sein.
Wie erwartet lagen die Maschinensparer weit hinter den ersten Ankömmlingen, die
den Hebel auf den Tisch gelegt hatten. "Ich wollt einmal erster sein", meinte
der First Home. Gefällt mir, diese Einstellung, obwohl es wohl nur zu einer
Platzierung im hinteren Drittel reichen würde. Vorne, wie erwartet, die Könner
und ein paar faustdicke Überraschungen. Die traurigste: Die Yacht SARDINIA, eine
Dufour 44, mit Skipper Walter Hager hatte sich zur Überraschung aller an die
Spitze gesetzt - mit nur 15 Motorstunden - und, kann die zweite Etappe nicht
mehr in Angriff nehmen. Ein dubioser Kielbolzen mit nicht mehr beherrschbarem
Wassereintritt ins Schiff war das Ende für diese fairen Verlierer beim
Ecker-Cup.
Zweite, nicht unerwartet, die AktienPower von Mayer, an dritter Stelle, der
ehemalige Cup-Gewinner, SEA CLOUD, eine Elan 43, und an vierter Stelle schon -
für mich die eigentlich Überraschung - die behäbige Stahlyacht Motiva 45 mit Dr.
Schwerdtfeger, wahrlich keine Flautenkönigin. Die CARLANA an 6. Stelle hat
sicher noch Chancen auf den Gesamtsieg, während der Kroate "Paganini", ein
Favorit der Herzen, einen Husarenritt benötigt, um sich vom 11.Platz noch
vorzuarbeiten. Aber nichts ist unmöglich - für die Fortsetzung ist Sturm
angesagt.

Fotos u.a.:Dr.Axel Platz
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