Das Seminar:
Zum
vierten Mal veranstaltete die YACHT zusammen mit der Hanseboot Bobby Schenk`s
Blauwasserseminar. Die Besetzung mit den Referenten war dem Thema angemessen
hochklassig. Insgesamt gaben 9 Weltumsegler und ein Atlantiküberquerer ihre
Erfahrungen während der beiden Tage an die 150 Seminarteilnehmer weiter. Das
Seminar war - wie in den vergangenen Jahren bereits zwei Monate vor der Messe in
Hamburg bereits ausgebucht, was einerseits auf das große Interesse an dieser
Veranstaltung hindeutet, andererseits viel darüber aussagt, wie viele unter den
Seglern vom ganz großen Törn träumen. Interessant auch die Tatsache, dass
nahezu alle Seminarteilnehmer als Paar auftraten, wodurch deren Lebensplanung
ziemlich transparent wird.
Der Ablauf:
YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker hatte in seiner
Einführungsrede schon darauf hingewiesen, dass die Besucher wohl einen anderen
Eindruck vermittelt bekommen würden, als der Binnen- oder Küstensegler die
Szene im Mittelmeer oder an den deutschen Küsten sieht.
Dementsprechend
lud Bobby Schenk mit seinen Bildern die Besucher zu einem lückenlosen Rundgang
in eine preiswerte Marina ein, in der sich ausschließlich Blauwassersegler
befinden. Serienyachten, wie sie hierzulande in den Marinas das Bild
beherrschen, wurden hierbei kaum gesichtet, auch nicht Yachten, deren Hersteller
gerne damit werben, dass ihre Erzeugnisse die idealen Blauwasseryachten seien.
Im übrigen wies Bobby daraufhin, dass man hier im Seminar Realitäten
vermitteln wolle, denn dass Blauwassersegeln eine Art, schön zu leben sei,
wisse man ohnehin. Hier ginge es darum, die zukünftigen Ozean- und Weltumsegler
auf die Wirklichkeit und nicht auf Träume vorzubereiten.

Ingrid
und Norbert berichteten von ihrer fast 10-jährigen Weltumsegelung ehrlich unter
dem Titel "Wir reparieren uns um die Welt". Ein Bericht, der manchen
Besucher schockte, denn man mag es sich - gerade auf einer Bootsmesse - kaum
vorstellen, dass ein großer Teil der Zeit bei einer Weltumsegelung für
Reparaturen und Bootsunterhalt draufgeht. So haben viele Besucher sich den Traum
von einer Weltumsegelung nicht vorgestellt. Aber Ingrid war ehrlich:
Weltumsegelung heißt, sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt reparieren.
Dass dieses bewusst gewählte, schockierende Thema (man sollte auf sowas
innerlich vorbereitet sein) durchaus den wahren Gegebenheiten
entspricht, bestätigen die Weltumsegler Annette und Sven in ihrem Bildbericht.
Vor allem aber gaben sie Rezepte weiter, wie man eine Weltumsegelung mit 300
Euro pro Monat finanziert. Einer der Tricks, um die Ausgaben niedrig zu halten:
Nach einem DDR-Kochbuch kochen!
Weltumseglerin Dr.Kerstin Heller
bereitete die Zuhörer auf die medizinischen Probleme eines Lebens auf dem
Wasser vor. In Ihrer Schreckens-Hitliste zählte sie all die Gefahren auf, mit
denen Weltumsegler konfrontiert werden könnten. Die Referenten konnten Kerstin
leicht bestätigen, dass dies leider kein grundloses Schreckensszenario war,
sondern dass eine Menge der aufgezeigten Punkte in das Leben der Referenten
bereits eingegriffen hatte, wie Schigellen-Ruhr, Malaria, tropische Geschwüre
und so fort. Umso aufmerksamer verfolgten die Zuhörer die aufgezeigten
Vorbeugemaßnahmen.
Weltumseglerin und Kap Horniere Carla Schenk
gab Tipps, wie sich die Skipper das Leben mit den Behörden erleichtern könnten
(nämlich die Frau bei den Offiziellen Skipperin spielen lassen!) und wie man am
besten eine Blauwasserreise so plant, dass man den tödlichen Orkanen aus dem
Weg gehen könne.
Klar, dass während der beiden Seminartage noch
zahlreiche weitere Themen angesprochen wurden, die für eine Blauwasserreise
praktische Bedeutung haben könnten. Weltumsegler Bobby Schenk brachte die Frage
nach der optimalen Langzeityacht auf den Punkt: "Unzählige gelungene
Reisen haben bewiesen, dass nahezu jedes Schiff, gleich welcher Größe und
welchen Typs für eine Blauwasserreise taugt ist, wenn sich der Skipper dazu
eignet."
Genau das bewies Johannes Erdmann, der in
einem erfrischenden Vortrag berichtete, wie er als 19-jähriger Abiturient, eine
8-Meter-Yacht für wenig Geld bei Ebay ersteigert hatte, damit erfolgreich den
Atlantik überquerte und die Yacht über Ebay wieder losbrachte, sodass er mit
dem Ersteigerungserlös einen Teil seiner Ausgaben abdecken konnte.
Eines
wurde den Seminarteilnehmern nachdrücklich von den Referenten klargemacht: In
jedem Fall muss die Yacht auf eine Blauwasserreise zweckmäßig vorbereitet
sein. Dieses Kriterium erfüllt nahezu keine der Yachten, die auf den großen
Bootsausstellungen (hier: Hanseboot) vorgestellt werden.
In einem
Merkzettel, der den Seminarteilnehmern unter anderem ausgehändigt wurde,
wurden die wesentlichen Punkte aufgeführt, die von der Ausrüstung her bei der
Aufrüstung zu einer Blauwasseryacht bedacht werden sollten.
Wie
gehts weiter?
Auf Grund des außerordentlichen
Interesses an diesem Seminar, nunmehr über viele Jahre hinweg, gab die Leitung
der Hanseboot bekannt, dass dieses Seminar nächstes Jahr erneut veranstaltet
wird und zwar am 25./26.102008.