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Fotografieren auf
Langfahrt 2006 von Bobby Schenk
"Man kann das "normale" Fotografieren
"an Land" nicht mit dem Fotografieren auf einer Yacht
vergleichen." Das hat auch im Zeitalter der Digitalfotografie immer noch
weiterhin Geltung. Und "Digitalfotografie
ist die (nahe) Zukunft" - das
wurde hier erst vor drei Jahren geschrieben. Inzwischen ist es die
Gegenwart.
Digitalfotografie
ist heute Standard
Nicht nur auf Yachten, auch generell, wird heute praktisch nur
noch digital fotografiert. Viele Markenfirmen haben die Produktion
"analoger" Fotoapparate eingestellt - bestimmte Markenfotoapparate mit
einst klangvollen Namen gibt es nicht mehr und die gute alte deutsche Markenfirma AGFA hat die Filmproduktion
für immer eingestellt. Der digitale Zug ist endgültig abgefahren. Mehr noch: Durch die Einführung der Digitalfotografie nehmen heute
Menschen einen Knipser in die Hand, denen das alles früher zu kompliziert,
gelegentlich auch zu teuer war.
Problem an
Bord: Standort des Fotografen ist vorgegeben
An den alten Problemen beim Fotografieren hat aber auch die
Digitalfotografie nicht viel ändern können. Auf einer Yacht benötigen wir
nach wie vor am besten ein starkes Weitwinkel-Objektiv - schließlich können
wir uns nicht unendlich weit vom Objekt entfernen, um einen großen Ausschnitt
zu bekommen und ein starkes Tele, um aus größerer Entfernung auf See schon mal ein
anderes Objekt (Segelyacht) formatfüllend ins Bild zu bekommen. Also am besten
ein Zoom-Objektiv, das vom Weitwinkel bis in den Telebereich alle Bildwinkel
bestreicht.
Andererseits sind Vorbehalte gegen die Qualität des
Digitalfotos nicht mehr angebracht. Nahezu jede Kamera reicht für halbseitige
Ausdrucke von Fotos aus, also auch für Veröffentlichungen. Eine
"Auflösung" von 5 Megapixel ist bereits Standard. Darunter sollte man
sich keinen Apparat mehr andrehen lassen.
Alle Kameras
brauchen Strom
Ebenfalls
wichtig an Bord einer Yacht auf hoher See - ein paar hundert Meilen von der
nächsten Steckdose entfernt: Alle digitalen Kameras werden elektrisch betrieben
und hier hat die Stromversorgung der
Kameras erhebliche Fortschritte gemacht. Konnte ich mit vier aufladbaren Akkus zu je
2000 Ah (die im übrigen kaum eine Lebensdauer von mehr als 2 Jahren erreichten)
mit der 5MB-Minolta (Baujahr 2002 - Bild) noch höchstens 50 Bilder
schießen, so soll nach Werksangaben der winzige Akku für die Nikon D200 für 1800
Bilder gut sein. Ab Bord, wo bei weitem nicht solche Laborbedingungen
wie bei Nikon herrschen, wird diese Anzahl wohl nicht erreicht, doch auch schon
die Hälfte ist ein fantastischer Wert.
Ist zu Hause die Stromversorgung einer Digitalkamera
selbstverständlich völlig unproblematisch, können sich an Bord durchaus
Schwierigkeiten ergeben. Die meisten Kameras arbeiten eben nicht mit
handelsüblichen AA- oder AAA-Batterien, sondern mit Akkus,
die meist so genial
geformt sind, dass man nicht auf andere Lösungen ausweichen kann. Das Problem
ist nun, dass auf den meisten Yachten nicht soviel Wechselstrom zur Verfügung
steht, dass man selbst diese sparsamen Ladegeräte betreiben kann. Der Ausweg
bei einem längeren Törn sind dann eben vorgeladene Ersatzakkus, wobei der
Autor auch mit sogenannten "baugleichen" preiswerteren Akkus
("No-Name") gute
Erfahrungen gemacht hat - siehe zum Beispiel: www.celltronic.de.
Alle
Digitalkameras eignen sich an Bord - mehr oder weniger
Es gibt bei der Auswahl des geeigneten Fotoapparates zwei
Kriterien, die - wie üblich - ins Geld gehen. Einerseits bräuchte man ein
gescheites Weitwinkelobjektiv, 24 mm nach Maßstäben wie sie für
die Kleinbild-Analog-Kameras gegolten haben. Wegen
des üblichen Verlängerungsfaktors "Kleinbild/Digital" von 1:1,5 also immerhin ein
18er sollte
es schon sein, andererseits wäre ein richtiges Tele, siehe oben,
wünschenswert. Beides lässt sich bauartbedingt mit einer der beliebten
Kompaktkameras nicht realisieren. Die meisten von denen haben einen Zoombereich
von 38 mm bis 114 mm, das Weitwinkel fehlt also völlig. Hier müsste man schon etwas tiefer in die
Tasche greifen und zum Beispiel eine SLR (Spiegelreflexkamera) anschaffen, mit entsprechenden
Wechselobjektiven. Spitzenkameras im Amateurbereich sind die Canon-Serie, vor
allem die EOS 350D oder die Nikons D50 oder D70. Denen kann man schon die
kompakten Zoom-Objektive von Tamron oder Sigma mit dem völlig ausreichenden
Zoombereich 18 bis 200 mm anhängen.
Aber, um es deutlich zu sagen, bevor wir an Bord gar keine
Digitalkamera haben, ist eine kompakte, vor allem neuerdings mit Bildstabilisator, in
jedem Fall ein Zugewinn, sei es für Erinnerungsfotos, ein Bild-Logbuch oder
schlicht als optische Notizzettel. Die sind übrigens alle geeignet, um zum
Beispiel Dokumente abzufotografieren (Seiten aus Hafenhandbüchern etc), die
dann mit einem OCR-Programm (Texterkennung) zu richtigen Text-Dateien
verarbeitet werden können.
Schwäche der
SLRs an Bord: Die empfindliche Spiegel-Mechanik
Die Highend-Kameras für Segler bewegen sich in Preisklassen
von 1500 Euro aufwärts. Viel Geld, aber auch viel Leistung. Im Moment sind die
Topkameras wohl die Canon EOS 5D und die Nikon D 200, beides
Spiegelreflexkameras mit der Möglichkeit, Wechselobjektive aus einem
reichhaltigen Angebot zu
benutzen. Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte D200 hat noch den Vorteil,
dass sie "spritzwassergeschützt" ist , also sich scheinbar besonders
für den rauen Bordbetrieb eignet. Ich hab allerdings da Bedenken,
ob sie auch mal überkommendes Seewasser abkönnte, denn der "Spritzwasserschutz"
beschränkt sich zum Beispiel auf eine Gummiabdeckung der Kontakte für externe Anschlüsse.
Aber auch Spiegelreflexkameras sind ein Kompromiss auf einer Yacht. Der große
Vorteil von modernen Digitalkameras liegt ja für den Segler in der Tatsache,
dass solche Kameras nur noch über wenige mechanisch bewegte Teile verfügen und
damit im rauen Bordklima entsprechend unempfindlich sind. Bei einer
Spiegelreflexkamera handelt man sich diesen Nachteil wiederum in Form des
Klappspiegels wieder ein. Die sind zwar heute extrem zuverlässig, aber eben
auch nur dann, wenn sie nie in Berührung mit Salz in irgendeiner Form gekommen sind.
Man sollte sich dieser Tatsache bewusst und deshalb beim Objektivwechsel
entsprechend vorsichtig sein.
Wem die Mechanik eines Spiegels der SLR-Kamera in der
salzwasserschwangeren
Luft zu suspekt ist, der ist vielleicht mit der etwas preiswerteren Spitzenkamera
von Sony DSC R1 am besten bedient. Es besteht der Verdacht, dass sie den
gleichen großen Chip wie die Nikon D200 benutzt, sodass die Bildqualität -
jedenfalls bei gleicher Objektivleistung - identisch sein dürfte. Allerdings,
man muss sich mit dem festen Zoomobjektiv von 24/120 mm begnügen. Dafür
bekommt man einen Bildstabilisator bei allen Brennweiten gleich mitgeliefert.
Und der Preis beträgt nur ein Drittel von der D200 (plus Objektiv).
 Einen
Nachteil haben alle SLR-Kameras immer noch. Man hat - bauartbedingt - keine Vorschau
auf dem Display, sodass man erst hinterher das Ergebnis (auf dem naturgemäß
recht kleinen) Bildschirm auf der Rückseite der Kamera überprüfen kann. Bei
der DSC R1 erkauft man sich den Vorteil, dass das Sucher-Display nach allen
Seiten drehbar ist - was sehr hilfreich ist, wenn man in Winkel auf dem Schiff
hineinfotografiert, wo man zwar mit der Hand, nicht aber mit Kopf plus Kamera
hinkommt, zum Beispiel um festzustellen warum die Wasserpumpe unter der Maschine
leckt.
Wichtigster
Punkt: Die Schnappschussfähigkeit
Alles hat seinen Preis! Und so ist es logisch,
dass Kameras für 100 bis 200 Euros nicht mit den Spitzenkameras mithalten
können. Vor allem in einer außerordentlich wichtigen Eigenschaft: Was merkwürdigerweise in den Testberichten der
Fachzeitschriften nur am Rande, wenn überhaupt, erwähnt wird, ist die
Tatsache, dass eine Vielzahl der preiswerten "Kompakten" eine Eigenschaft
abgeht, die wir Verbraucher, speziell Segler, als selbstverständlich
voraussetzen und deshalb gar nicht lang vor dem Kauf hinterfragen: Schappschusstauglichkeit.
Wenn die fehlt, sind Aufnahmen von sportlichen Motiven, zum Beispiel einem Speedboot, das
uns gerade überholt, auch von einer formatfüllenden stampfenden
Segelyacht oder von Delphinen, die vor dem Bug rumschießen, praktisch
ausgeschlossen.
Selbst die billigsten analogen Kameras reagierten
auf Knopfdruck, was gelegentlich doch originelle Ergebnisse einbrachte. Bei den
(meisten preiswerten) digitalen ist das ganz anders. Zwar ist die Kamera schon
nach ein paar Bruchteilen von Sekunden "betriebsbereit" (was sich gut
in den Testberichten macht), aber wenn wir auf den Auslöser drücken, tut sich
im Moment gar nichts, weil der Autofokus noch nach der richtigen Einstellung
suchen muss. Was sehr häufig Protraitfotos von schauriger
Unnatürlichkeit ergibt, wenn dann endlich das - elektronisch erzeugte -
"Klick" ertönt. Dann hängen die Augenlider, die Stirn ist verkniffen
und der ganze Gesichtsausdruck ist mürrisch, weil man zu lange ein krampfiges
Lächeln in die Kamera zeigen musste.
Ganz schlimm wird es, wenn man mehrere Fotos
schießen wollte, um hinterher das beste auszusuchen. Die Zeit nach dem ersten
Bild nutzt die Kamera nicht zum Fotografieren, sondern um das vorher geladene
Bild auf der Speicherkarte abzulegen - und das kann je nach eingestellter
Bildqualität dauern. Selbst eine einzige Sekunde wird dann zur Ewigkeit, wenn man gerade eine bewegte Szene für die Nachwelt
einfangen möchte.
Also, beim Kauf einer Kamera diese dem Verkaufer
höflich aus der Hand nehmen, im Laden rumfuchteln und dann: Klick, Klick, Klick...
Wenn sich da nichts oder nur zögerlich was tut, nach einer anderen Kamera
fragen!
Die fehlende Schnappschusstauglichkeit ist in
meinen Augen der größte Nachteil der preiswerteren Kameras. Die Bildqualität
kann, jedenfalls bei erstem Anschein auch mit ganz teuren Kameras durchaus
mithalten.
Unterwassergehäuse
nicht mehr unbedingt nötig
Ein
weitere Vorteil der Kompakten: Ein Unterwassergehäuse ist meines Erachtens auf
einer Yacht nicht unbedingt nötig, wenn man die Kamera nur beim Segeln, und
nicht etwa beim Schnorcheln, einsetzen möchte. Auf Grund ihrer Handlichkeit
kann ich eine solche Kamera geschützt in der Tasche mit mir rumtragen und für
die Fotos rausholen. Dass eine überkommende See selbstverständlich jede Kamera
ruinieren kann, ist selbstverständlich. Wer ein Zusätzliches tun möchte,
kann sie ja zwischen den Schnappschüssen mittels Plastiksack schützen. Aber, die Kamera
darf nach dem Fotoeinsatz nicht weiter in Plastik oder in einem luftdichtem
Gehäuse aufbewahrt werden, denn dann bildet sich Schimmel (Pilze), was der Tod
für jede Optik ist.
Mit den klobigen analogen Kameras der früheren
Jahre war der Einsatz an Bord anders. Die konnte man nicht so einfach wegstecken
und so waren sie viel mehr den salzigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Warum ich
kein Freund von Unterwassergehäusen bin? Man geht in Bezug der Handlichkeit und
Bedienbarkeit unnötige Kompromisse ein, wahrscheinlich auch bei der Preisfrage.
Und mal ehrlich: Wem sind denn schon mal eindrucksvolle Schwerwetterfotos an
Bord der eigenen Yacht gelungen, die einigermaßen die widrigen Verhältnisse
wiedergeben? Selbst wenn ich dann im Regen oder in der Gischt Fotos machen will,
ist es spätestens dann mit vernünftigen Ergebnissen aus, wenn die Optik
wasserbedeckt ist, also sicher schon beim zweiten Foto.
Was anderes ist es selbstverständlich, wenn die Kamera auch beim Schnorcheln
begleiten soll, da haben die Unterwassergehäuse oder "wasserdichten"
Kameras durchaus ihre Daseinsberechtigung. Aber da sind wir dann auch schon auf einer anderen Problemebene.
Noch ein wichtiges Wort zur Handlichkeit:
Zeitschriften-Tests sind diesbezüglich häufig irreführend. Zum
Beispiel fällt die in den Testberichten so akribisch gemessene
"Auslöseverzögerung" bei den meisten Spiegelreflexkameras an Bord
nicht ins Gewicht. Der Vorteil ist, dass man draufhalten kann - kostet ja kein
teures Filmmaterial. Bei den Spitzen-SLR-Kameras von Nikon und Canon lassen sich
beispielsweise Serien von an die 20 Bildern in ein paar Sekunden abschießen -
in höchster Qualität wohlgemerkt - , bevor die Kamera wieder "Luft
holt", was heißt, dass sie die Bilderserie auf die Speicherkarte
abspeichert, was dann schon eine Minute Sendepause bedeutet. In der Bord-Praxis
kaum von Bedeutung!
Serienfotos
erhöhen die Chance auf eine gute Ausbeute
Gerade mit diesen Kameras ist es für den
Nicht-Profi am leichtesten zu Spitzenergebnissen zu kommen, denn nach dem
Prinzip Zufall wird ja eines der 20 Bilder mehr oder weniger perfekt sein - und
die übrigen werden mit DELETE (Löschtaste) "weggeschmissen", und zwar ohne die
Umwelt im geringsten zu belasten. Denken wir bei diesem Thema zurück in die
analoge Foto-Steinzeit: Da hat man erwartungsfroh den Film aus dem weit
entfernten Fotolabor zurückbekommen und war dann schon froh, wenn ein paar
unter den 36 Bildern einigermaßen unseren Erwartungen genügt haben.
Speicherkarten
großer Kapazität machen erst flexibel
Beim Langfahrtsegeln war dies
früher der lästigste Teil beim Einfangen von Erinnerungsbildern: Die Mitnahme von ausreichend
Filmmaterial und die anschließende
Verwertung. Vergessen wir nicht die mühselige chemische Verarbeitung in Fotos und
die Filmpreise - für den Preis eines 10er-Packs bekommt man heute schon
eine Speicherkarte, auf der 36 Bilder in höchster Qualität abgespeichert
werden können und zwar unendlich oft. Aber niemand wird sich heute noch mit
einer 128MB-Karte zufrieden geben. Gleichgültig, welche Kamera wir benutzen,
ein Bild in höchster JPEG-Qualität (mit dem
verlustfreien und deshalb speicherintensiven RAW-Modus schlägt
sich kaum ein Amateur herum) benötigt so zwischen zwei und vier MB. Da lässt
sich die Kapazität einer dieser Speicherkarten gut ausrechnen. Auch die kleinen
Speicherkärtchen nehmen
inzwischen bis zu vier oder auch acht Gigabyte(!) auf, womit ich also ein halbes
tausend Fotos in höchster Qualität abspeichern kann. Auf dem abgebildeten
Display einer Nikon-Kamera werden 444 Fotos für eine 4-Gigabyte-Karte bei
höchster JPEG-Qualität angegeben - das entspricht einem Dutzend Kleinbildfilme. Allerdings
der Haken: Die
unscheinbaren briefmarkengroßen Massenspeicher gehen ins Geld, eine 4-GB-Karte
kostet immer noch runde 250 Euro. Tendenz stark sinkend.
Herzhaft
löschen ist der Schlüssel zur Qualität
Jetzt zur (vorläufigen Bildbearbeitung): Wie
schon gesagt, bei uns Amateuren führt der Weg zu einem guten Foto über die
große - kostenlose - Anzahl von Bildern, aus der wir uns dann die besten aussuchen -
"herzhaft löschen" ist die Devise! Kostet ja nichts. Also sollten wir bei der Aufnahme
"draufhalten". 100 Bilder von ein paar Segelszenen, vor allem wenn wir
andere Segelyachten fotografieren, sind da nichts Ungewöhnliches. Denken wir an
eine schöne Yacht, die unter Vollzeug am Wind an uns vorbeizieht (oder die wir
gerade überholen): Einmal ist der halbe Rumpf in der Dünung des Meeres
verdeckt, einmal hebt sich der Bug hoch und die Bugwelle, die vorher noch ein
eindrucksvoller "Knochen im Maul der Yacht" war, ist gänzlich
verschwunden. Halten wir aber stur drauf, benutzen wir gar eine Serienfunktion
mit 4 oder mehr Bildern in der Sekunde, dann kriegen wir ein oder zwei Bilder,
wo alles stimmt. Und die restlichen? DELETE!
Wer es noch perfekter haben möchte, schießt mit
der Kamera sogenannte Bursts, also Salven, wobei die Bilder einstellbar
verschieden belichtet werden. Zum Beispiel: - normal - 1 Wert
unterbelichtet - ein Wert überbelichtet - u.s.f.
Moderne Kameras haben diese Möglichkeiten. Also, wenn dann kein gescheites
Bild dabei ist, ist wirklich nicht mehr zu helfen. Bei diesen Serienschüssen
wird man übrigens bald feststellen, dass es dieser absichtlichen
Fehlbelichtungen gar nicht bedarf, die Automatiken der Kameras beherrschen die
richtige Belichtung so gut, dass der Normalbetrachter am Bild kaum noch was auszusetzen
will.
Aber:
Nahezu alle "Display-Sucher"
hinten auf den Kameras eignen sich nicht besonders gut, um dann den Abfall
rauszulöschen - Stichwort Mäusekino. Wir können es drehen und wenden, das geht nur am Notebook - ein
weiteres von vielen Argumenten für einen Computer an Bord einer Langfahrtyacht
(der eh schon fast Standard auf Langfahrtyachten ist).
Die meisten Notebooks sind mit einem Einschub
versehen, in die die Speicherkarte zum Abspeichern eingeschoben werden kann. Die
Speicherkarte meldet sich dann wie eine neue Festplatte, von der die Bilder auf
die normale im Notebook enthaltene Festplatte (meistens "C:" kopiert
werden können. Viele Bildprogramme machen dies automatisch, also: Karte
reinstecken und warten, bis alle Bilder auf dem Computer sind. Hat der Computer
keinen Schacht für Speicherkarten, dann gibt es preiswerte
Karten-Lese-Geräte, die über den USB-Anschluß den gleichen Effekt erzielen.
Würden
wir auf eine großzügige Vorauswahl von Fotos verzichten, rotieren wir bald in der Unzahl - wortwörtlich zu nehmen - von Bildern und
es macht keinen Spaß, die des öfteren durch zugehen. Außerdem sind mit diesem
Schrott auch größere Festplatten mit 120 GB (auf dem Notebook) bald
überfordert. Nützlich ist hier ein Foto-Programm, wie es die meisten
Kamerahersteller ohnehin mitliefern, oder ein preiswerter Zukauf. Der Autor ist
mit dem ACDSee 8 (oben) zufrieden. Aber auch Windows XP selbst stellt starke Werkzeuge
zum Aussieben überflüssiger Bilder zur Verfügung.
So funktioniert
es:
Die Bordpraxis beim Fotografieren könnte also so aussehen:
-
Große Speicherkarte benutzen (1GB aufwärts)
-
Von den gewünschten Motiven lange Reihen
schießen
-
Auf den Notebook abspeichern
-
Mit einem
entsprechenden Programm den Schrott rauslöschen
-
Auf DVD dauerhaft
abspeichern, wenn die Bilder über 4 Gigabyte ausmachen!
Typisch: In meinem letzten Artikel zu diesem
Thema hab ich noch empfohlen, die Fotos auf eine CD zu brennen, die immerhin 650
MB, also runde 200 Bilder aufnehmen kann. Heute rate ich schon zu einer DVD, gut
für mehr als 1000 Bilder in höchster Qualität. Das ist aber nur ein Symptom
für die rasante Entwicklung auf dem Computermarkt. Fast alle jetzt verkauften
Notebooks begnügen sich eben nicht mehr mit einem CD-Writer, sondern können auch DVDs beschreiben. Wer noch einen älteren Computer hat, kann an den
USB-Anschluß aber auch einen preiswerten externen DVD-Schreiber anschließen.
Was ich später mal mit den Fotos machen werde,
ist im Moment unerheblich, wenn ich sie mal auf DVD gebrannt habe. Es ist
übrigens bei den heutigen Schleuderpreisen für beschreibbare DVDs ratsam, die
Bilddaten mindestens doppelt zu sichern und vielleicht eine Sicherung jeweils
per Post nach Hause zur Aufbewahrung zu schicken. Dann kann gar nichts mehr mit
den wertvollen Erinnerungen passieren, selbst wenn man mal einen Wassereinbruch
haben sollte.
Ob man später die Bilder in einem Labor
vergrößern läßt, oder sie zu einer elektronischen Dia-Show verarbeitet, muss
ja jetzt noch nicht entschieden werden. Übrigens: Es gibt weltweit in immer
mehr kleineren Städten, ja Dörfern, die Möglichkeit, innerhalb weniger
Stunden und recht preiswert Fotos in ansprechender Qualität ausdrucken zu
lassen. Dem Labor ist es egal, ob man mit CD, DVD, Speicherkarte oder auch
USB-Stick kommt.
Besucher Heiko Geis hat einen Image-Tank zur Speicherung der Bilder empfohlen, was nichts anderes ist,
als eben eine noch größere Speicherkarte, beziehungsweise eine Festplatte.
Aber das sind Zwischenlösungen für Urlaubssegler, die nach ein paar Wochen
wieder am Bürocomputer sitzen. Für Langfahrtsegler bringt das nichts, denn wenn
der Image-Tank voll ist, was dann?
Bildbearbeitung?
Mit welchem Programm sollen die Bilder dann bearbeitet werden? Also Farbstiche entfernen, dem Bild etwas Wärme geben, einen
Pickel im Gesicht der Bikini-Schönen entfernen, und so fort?
Meine ganz persönliche Meinung: Finger weg, wenn
man es nicht gerade gelernt hat!
Einzelne Bilder bearbeiten (Ausnahme: Zuschneiden und fürs Internet oder für
Mails komprimieren) ist zeitlich viel zu aufwändig, um sich damit abzugeben. Außerdem sind hierfür schon recht professionelle Fertigkeiten notwendig, um zu
sichtbar(!) besseren Ergebnissen zu kommen, als es jeder andere mit einem Klick
auf "automatisch anpassen" auch könnte.
Selbstverständlich ist ADOBE
PHOTOSHOP der beste Standard bei der Bildbearbeitung, aber man muss mit diesem
mächtigen Werkzeug auch umgehen können. Ich kann es nicht. Es ist wie bei einem
Klavier. Das kann jedes Musikstück spielen - wenn es denn der Pianist kann. Mit
den höherwertigen Bildbearbeitungsprogrammen Histogramme analysieren ist vielleicht
was für Urlaubssegler, die vom Kroatientörn 50 Bilder mitbringen und nun im
Winter abends Zeit haben, ihre paar Bilderchen zu verbessern und denen es Spaß
macht, an langen Abenden am Computer ihren Urlaubstörn nachzuerleben. Garantiert erreiche
ich(!) bessere Ergebnisse, wenn ich 500 mal abdrücke und in einer halben Stunde
auf dem Computer die besten 50 aussiebe. Nachfolgendes Foto ist beispielsweise
dadurch entstanden, dass der Fotograf aus freier Hand in der Marina diese
Abendstimmung einfangen wollte und zwei Dutzend Bilder geschossen hat: Die
praktisch alle verwackelt (sichtlich unscharf) waren. Außer folgendem:

Beispiel: Blende f:3,5, 1/25 S iso:100 - Brennweite: 18mm - automatischer
Weißabgleich - auf 65 KB
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