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Ein (sehr
subjektiver) Rückblick auf die BOOT 2003
Für den Projektmanager Abdul-Rahman Adib war die
"Düsseldorfer Messe" die dreiunddreißigste und er strahlte vor
Optimismus. Und es war nicht die schlechteste, obwohl die Unkenrufe wegen der
schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland noch lange nicht verstummt sind.
Adibs Karriere und Leistung ist bemerkenswert. Als Volontär setzte er vor drei
Jahrzehnten der Messegesellschaft den Floh ins Ohr, sie müsste, mitten binnen,
eine Bootsmesse veranstalten. Die YACHT, speziell ihr liebenswürdiger
stellvertretender Chefredakteur Pielbaum moserte, man habe ja schon mit
der Deutschen Bootsaustellung International in Hamburg eine Messe. Das reiche.
Nun, Herbert Pielbaum (der diese Woche von seinen Kollegen in der Yacht zu Grabe
getragen wurde) hatte sich getäuscht. Zwar startete die BOOT mit einer Handvoll
Motorbötchen damals kläglich, kommt aber heute - und in den letzten Jahren -
auf bis zu vierhunderttausend Besucher und ist damit die größte
Bootsausstellung der Welt, während Hamburg und Friedrichshafen sich mit runden
hunderttausend Besuchern zufrieden geben muss.
Die Verkäufer von "Mitnahmeartikel"
waren zufrieden, unter den Bootsverkäufern war die Stimmung zwiespältig.
Während die einen noch lange keinen Aufschwung sehen, waren die Mannen von
Hallberg Rassy begeistert, und "die Schöchls" (Sunbeam) ließen
verlauten, dass die Messe "gaaaanz schlecht" sei. Freilich strahlten
sie hierbei übers ganze Gesicht und ließen den Schalk in ihren Augen
aufblitzen nach dem Motto: Nur nicht zugeben, dass es gut läuft! Womit
sie wiederum beweisen, dass sich Qualität immer behaupten wird.
Daran hapert es aber bei einigen Werften. Eine
namhafte Kunststoffwerft hatte ihre Yacht so hingestellt, dass man im
Sonnenlicht den Abdruck der Form in jeder Einzelheit
sehen konnte - und das war ein mieser rubbeliger Anblick. Wenn ich mir vorstelle, dass dann
so ein Schiff an die 100000 Teuro kostet, kann man nur Mitleid mit dem
zukünftigen Eigner
bekommen. Eine andere französische Yachtwerft versuchte schon am ersten Tag die
Besucher mit dem auffällig aufgeklebten Hinweis auf großzügigen
Messerabatt
zu ködern. Ausdruck von Pessimismus oder schon Verzweiflung?
Die Prognose ist nicht besonders gewagt: Einige
Werften werden sich demnächst vom Markt verabschieden. Ihre Kunden sollten
rechtzeitig bedenken, dass beim Schiffskauf gegen Ende der Lieferzeit die
Werften in der Regel Geld und Schiff besitzen. Leider!
Ich
war auf Einladung von YACHT und Verlag Delius Klasing auf der BOOT, auch um mein
neues Buch FAHRTENSEGELN vorzustellen. Wichtiger noch: Ich durfte auf dem
YACHT-Stand ein paar Gedanken zum Fahrtensegeln loswerden. Jeden Tag war der
Andrang der Besucher gewaltig, was auch daran lag, dass großzügig die Werft
Hanse ein "halbes" Schiff zur Verfügung stellte, was einen Besucher zu
der Bemerkung veranlasste, die halbe Yacht sähe für einen Totalschaden ganz
gut aus. Er konnte es sich offensichtlich nicht vorstellen, dass die Hanse-Yacht
eigens für die YACHT angefertigt worden war. Ziemlich kostenintensiv, denn mit
der anderen Hälfte lässt sich ja nun wirklich nichts mehr anfangen!
Meine
Vorträge über die "ideale" Fahrtenyacht,
Navigation und Seemannschaft fanden ein offenes Ohr. Und es war zu
spüren, dass das Publikum durchaus an sachlichen Argumenten interessiert ist,
diese auch locker, dabei aber nicht unkritisch, verarbeiten kann. Denn so dumm
ist der Segler nun wirklich nicht, dass er jeden Unsinn von Verkäufern
hinunterschluckt. Dabei muss ich mich nur wundern, was manche Firmen für ein
Verkaufspersonal beschäftigen. Man möchte den Werftbesitzern sagen, dass
Yachten beim "Verkaufsberater" mehr Fachwissen erfordern als beim
Verkauf von Konservendosen im Großmarkt. Wenn ein potentieller Kunde beim
Hersteller von Luxusyachten (nicht unter einer Million) erfährt, dass
Elektrizität für den Steuerautomaten auf dieser Yacht kein Problem sei, weil
ein(!) Solarpaneel vorhanden sei, erlischt doch das Kaufinteresse
schlagartig. Und dabei entscheidet doch für die Werft der Verkaufserfolg ihre
Existenz!
An manchen Verkaufsständen scheint ebenfalls die
Qualität der Verkäufer wurscht zu sein. Als ich nach dem Bezahlen meiner
Ersatzteile des Gasgrills (2 Jahre alt, 20mal benutzt und der Niroeinsatz voll
durchglühter Löcher) meinte, dass dies doch ein ziemliches Gelumpe sei,
erwiderte der Verkäufer ein stupides "hm"! Könnte es sein, dass die
miese Qualität gewollt ist? Wieso hat man solche eigentlich unverwüstlichen
Stahlteile für viel Geld vorrätig? Ein zusätzlicher Umsatz?
Ganz
anders die kleinen Herstellerfirmen, für die die Ausstellung das Schaufenster
ist, in dem sie zum ersten Mal mit Ihren Produkten an die Öffentlichkeit
treten. Da spürt man meist Pioniergeist und unendlichen Optimismus, dass sich
"ihr" Produkt bei den Seglern durchsetzen wird. Michael Bauza war aus
Trinidad (wo rund 4000 Fahrtenyachten liegen) angereist, um "seinen" Watermaker
zum ersten Mal in Europa vorzustellen. Diese Produkt ist deshalb interessant,
weil Bauza mit seiner Firma Echomarine
Generalvertretung für Südamerika für führende Watermaker hat, diese also
auch warten muss und aus dem Erfahrungsfundus aus hunderten von
Watermaker-Reparaturen eine eigene Entsalzungsanlage konstruiert und gebaut hat.
Obwohl ich diesen Watermaker nicht auf meinem Schiff habe und somit aus eigener
Erfahrung kein Urteil abgeben kann, sollte dieses Erzeugnis hohen Ansprüchen
genügen, zumal Bauza hochwertige und bekannt robuste Bauteile aus der Industrie
verwendet.
Lange danach gesucht, hab ich es jetzt auf der
BOOT entdeckt: Ein elektrischer Tauchkompressor,
wie geschaffen für eine Langfahrtyacht. Hat es zwar schon früher gegeben, zum
Beispiel aus australischer Fertigung, aber diese deutsche Anlage scheint
besonders gut durchdacht. Der Bedarf: Unsere Unterwasserfarben
werden wegen der Umweltauflagen immer wirkungsloser, was vermehrte
Aufenthalte an Land erfordert. Es sei denn, man wird die bremsenden Organismen -
Kalkschnecken, Algen und so fort - im Wasser los. Also Tauchen: Eine atemberaubende
Angelegenheit ist es dann, stundenlang mit Schnorchel und Maske
unter Wasser zu schrubben. Eine Tauchflasche würde die Arbeit erleichtern,
erfordert aber in der Praxis einen "richtigen" Tauchkompressor, gar
mit Benzinmotor. Dass Gerätetauchen ohne entsprechende Ausbildung
lebensgefährlich ist, sei nebenbei erwähnt.
Der
FREEDIVER hingegen ist ein kleiner elektrisch
betriebener Luftkompressor, der - theoretisch - bis in vergleichsweise(!)
ungefährlichere 5 bis 10 Meter Tiefe mittels Schlauch Luft zum Taucher drückt.
Sein Verbrauch liegt bei 15 Ampere (12 Volt). Zum Reinigen des
Unterwasserschiffs reicht es also, den (vielleicht fix im Maschinenraum ohne
Auspuffanlage und Kühlungsschläuche angeschraubten) Kompressor einzuschalten
und schon kann es losgehen. Ein großer Vorteil hierbei ist, dass man zum
Kielputzen in 2 Meter Tiefe bleiben kann, also ohne häufiges Auftauchen mit
Druckausgleich. Das Leid des "Schiffsputzers" läßt sich teilen,
indem gleichzeitig zwei Atemschläuche (mit entsprechenden Lungenautomaten)
angeschlossen werden können.
Keine
5 Kilo wiegt der Freediver in dieser Version. Sogar eine Art Tarierweste
gibt es dazu, sodass der "Taucher" genau auf Arbeitstiefe
schwebt. Für den, der sich von der Abhängigkeit vom Schiff befreien und gar
ein Riff erforschen möchte, gibts eine Schwimmboje, in der sich Kompressor und
eine Batterie befinden, die bis zu einer Stunde "freies" Tauchen mittels
Luftschlauch nach unten ermöglicht. Liegt ein Anker
nicht tiefer als 10 Meter kann er mittels Freediver geborgen werden, wenn
beispielsweise die Kette um einem Korallenblock liegt. Für normal sterbliche
Schnorchler ist ein Anker jenseits von 6 oder 8 Metern schon unerreichbar, wenn
keine Atemhilfe vorhanden ist.
Wie sich der Freediver in der Praxis bewährt?
Ich werde demnächst berichten.
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